Was tun ?!

Was tun, wenn sich Jugendliche der rechtsextremen Szene zuwenden, wenn für selbstverständlich geglaubte gemeinsame Ansichten und Werte plötzlich abgelehnt werden? Befürchten Sie, den Kontakt zu ihrem Kind zu verlieren?

Wir unterstützen Sie dabei, einen guten Kontakt zu Ihrem Sohn oder zu Ihrer Tochter zu halten und gleichzeitig Ihr Unbehagen und Ihren Standpunkt gegenüber rechtsextremen Positionen zu vertreten. „Mein Kind ist rechts?!“ bietet Orientierungshilfen und beantwortet häufig gestellte Fragen von Eltern. Und hilft zu erkennen, dass Sie mit Ihren Unsicherheiten und Sorgen nicht alleine stehen.

Für Eltern ist es heute schwieriger, Veränderungen bei ihrem Kind richtig zu deuten. Äußere Veränderungen im Kleidungsstil können Hinweise auf die neue Orientierung sein. Es tauchen einschlägige Musik-CDs, Broschüren oder Flugblätter auf. Jugendliche ändern ihren Freundeskreis und chatten mit Personen aus dem rechtsextrem orientierten Spektrum.

 

Das Versteckspiel
Die Broschüre „Versteckspiel“ informiert über Symbole, Kleidung und Codes extrem rechter Gruppen.
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Klicksafe – Rechtsextremismus im Internet
So schützen Sie Ihr Ihr Kind gegen rechtsextreme Inhalte im Netz – Tipps für Eltern.
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Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren haben in dieser Lebensphase in der Regel noch keine gefestigten politischen Einstellungen. Oft ist eine anfängliche Unsicherheit in der Orientierung zu beobachten. Der Freundeskreis ist noch durchmischt. Am Anfang steht der Wunsch, „Spaß“ zu haben, anders zu sein und zu einer elitären Gruppe zu gehören. Oft nehmen Eltern die rechtsextreme Orientierung als pubertäre Phase wahr. Es kann sich tatsächlich um eine kurze Episode handeln. Einstellungen und Kontakte können sich aber auch verfestigen.

  • Suchen Sie frühzeitig das Gespräch mit Ihrem Kind und fragen Sie nach der Bedeutung bestimmter Symbole oder Kleidermarken. Scheuen Sie nicht die Inanspruchnahme fachlicher Hilfe.

 

Broschüre „Eltern gegen rechts“
Die Berliner Selbsthilfe und Initiative „Eltern gegen rechts“ hat hierzu ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit der rechtsextremen Orientierung ihrer Söhne und Töchter zusammen getragen. Es werden wesentliche Fragen zum Thema „Rechtsextremismus und Familie“ behandelt.
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Mit beginnender Pubertät beschäftigen sich Jugendliche mit der Frage, wer sie sind, wer sie sein werden. Eltern müssen sich von so manchen Bildern trennen, die sie sich von ihrem Kind gemacht haben. Jugendliche wollen die Weltsicht der Eltern nicht mehr länger einfach nur übernehmen, sondern entwickeln eigene Vorstellungen und Auffassungen. Wer sich eine eigene Identität aufbauen will, experimentiert. Das ist normal – Abgrenzung ist in dieser Lebensphase wichtig. Die Clique, Freund_innen und Gleichaltrige gewinnen an Bedeutung bei der Suche nach Zugehörigkeit, Rückhalt und Anerkennung.

 

Extrabrief „Familie in der Pubertät“
Der Extrabrief bietet Anregungen und Tipps für einen möglichst „kräftesparenden“ Alltag. Auf der Internetseite von Arbeitskreis Neue Erziehung (Ane) können Sie den Extrabrief „Familie in der Pubertät“ (13 – 18 Jahre) kostenlos herunterladen .
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Auf dem Weg zum erwachsenen Menschen müssen Eltern aber nicht alles gut heißen. Konflikte sind hier notwendig. Ihre Tochter, Ihr Sohn braucht Signale, Korrekturen und eine konstruktive Auseinandersetzung – auch wenn sich die Wirkung erst langfristig zeigt. Wenn Eltern mit intoleranten und diskriminierenden Äußerungen konfrontiert sind, sollten sie sich darum klar positionieren. Dies ist keine leichte Aufgabe und bringt Eltern nicht selten an Belastungsgrenzen. Wichtig ist, dass Sie dabei signalisieren, dass Sie für Ihr Kind da sind und auch zukünftig da sein werden.

  • Auch wenn sich Ihr Kind von Ihnen abwendet und Ihnen fremd erscheint, Eltern bleiben ein wichtige Anlaufstelle, gerade auch dann, wenn Ihr Kind merkt, dass es sich auf dem falschen Weg befindet. Ein Abbruch der Beziehungen versperrt dem Kind die Möglichkeit, „zurück“ zu kommen. Bei aller Belastung sollten Sie ansprechbar bleiben, auch wenn Meinungen und Entscheidungen Ihres Kindes nicht immer nachvollziehbar sind und Ihr Kind das Gespräch verweigert.

 

Orientierungshilfen
Unter dem folgenden Link finden Sie einen Überblick über mögliche Orientierungshilfen, die auch Teil der mobilen Ausstellung „Mein Kind ist rechts?!“ sind.
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Für manche Jugendliche gibt es in der Schule und in der Familie einen Mangel an Gelegenheiten, um zu zeigen, was in ihnen steckt und wie sie Verantwortung übernehmen können. Andere Jugendliche sind überfordert: Schulischer Leistungsdruck, die Erfahrung, Aussenseiter_in zu sein, Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. All dies können Gründe sein, sich aus dem Alltag in die Welt von Drogen, Computerspielen oder auch in extremistische Szenen zu bewegen.

Für die meisten Jugendlichen ist die Suche nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit ein wichtiges Einstiegsmotiv. Andere wenden sich der Szene zu, um gegen bestehende Verhältnisse zu protestieren. Am Anfang steht zumeist der Wunsch, „Spaß“ zu haben, „anders zu sein“ und zu einer elitären Gruppe zu gehören. Die rechtsextreme Szene gibt Jugendlichen das Gefühl, dass sich jemand für sie interessiert, dass sie wichtig und einflussreich sein können.

 

„Hitliste“ der Einstiegsmotive *1

  • Kameradschaft, Rückhalt, Zugehörigkeit.
  • Spaß, Partys, Konzerte, Freizeitaktionen.
  • Teil einer konspirativen Elite zu sein.
  • Der kleinste gemeinsame Nenner die „gemeinsame Herkunft des Blutes“.
  • Macht über das Wohlergehen, Leben und Tod anderer Menschen.
  • Einfache Antworten auf komplexe Fragen.
  • Eintauchen in eine für Erwachsene nicht einsehbare Parallelwelt.
  • Chance und Abspaltung vom Elternhaus.
  • Abenteuerlust.
  • Entschuldigung für gewalttätige Neigungen.
  • Handeln statt immer nur reden.

1* Vgl.: Reinhard Koch, Thomas Pfeiffer, (Hg.) Ein- und Ausstiegsprozesse von Rechtsextremisten,
Antworten von Jugendlichen auf die Frage: Was gab dir die Szene?, „Hitliste“, S. 108

 

Was sucht mein Sohn ?
Die Faszination, „ein ganzer Kerl“ oder „richtiger Mann“ zu sein.
Die Zugehörigkeit zu Männergruppen (Kameradschaften).
Das Gefühl der Überlegenheit als „deutscher“ Mann gegenüber
Frauen und Personen, die als minderwertig wahrgenommen werden.
Einen Körper- und Waffenkult, in dem sie sich als kämpferische
Soldaten präsentieren können.
Die Überwindung der eigenen Erfahrungen von Ohnmacht und
Gewalt durch das zur Schaustellen von Macht und Männlichkeit.*2

Was sucht meine Tochter ?
Eine einfache, klare Orientierung und Aufwertung
in der traditionellen Rolle als „Hausfrau und Mutter“.
Die Beteiligung als Aktivistin an politischen Aktionen,
denn: „Nationalismus ist auch Mädelsache“.*3
Die Aufwertung als „deutsche Frau“ innerhalb eines
rassistischen Weltbildes.*4

*2 / *4 Vgl.: Alle Stichpunkte in Anlehnung an: Dr. Esther Lehnert, Forschungsgruppe Frauen und Rechtsextremismus.
*3 Vgl.: Spruch auf älteren Wahlplakaten der NPD/JN. Aktuell (2013) findet man auf der Internetseite der NPD
Niedersachsen ein Plakat des RNF (Ring Nationaler Frauen) als Download: „Deutschland ist auch Frauensache“.

Eltern haben grundsätzlich die Möglichkeit, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen. D.h. sie können bestimmen, wer ihre Wohnung betreten darf und wer nicht. Dies gilt insbesondere dann, wenn ihr Kind minderjährig ist. Wenn das Kind volljährig ist und Zuhause Kostgeld abgibt, also eine Art Untermietverhältnis zu den Eltern besteht, müssen die Eltern zumindest den Zugang in das Zimmer des Kindes gewähren. Letztendlich haben die Eltern aber auch hier die Möglichkeit, vom Hausrecht Gebrauch zu machen. Vor allem dann, wenn durch die Freunde des Kindes für die Eltern eine unzumutbare Belastung (beispielsweise Lärmbelästigungen, Beleidigungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen) entsteht. Eine Entscheidung darüber, wann eine unzumutbare Belastung vorliegt, muss im Einzelfall geklärt werden. Bei Minderjährigen sollte diesbezüglich ein vermittelndes Gespräch mit dem Jugendamt gesucht werden. (…)

 

„Handlungsfähig bleiben – handlungsfähig werden“
Ein Buch von Cornelius Peltz-Förster. Es beschreibt rechtliche Grundlagen und Handlungsempfehlungen für Eltern rechtsextremer Jugendlicher.
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